So funktioniert der neue Sachkundenachweis für Berufsbetreuer

Aktuelles zur Betreuungsrechtsreform

 

Nicht nur beim Fernlehrgang Berufsbetreuer(in) mit Hochschulzertifikat der staatlichen Hochschule Neubrandenburg ist die anstehende Reform des Betreuungsrechts ein intensiv diskutiertes Thema. Auch unsere Live-Webinare, in denen Fachanwalt für Familienrecht Martin Weber Berufsbetreuer auf den aktuellen Stand zum Reformprozess bringt, sind stets ausgebucht. Überraschend ist das große Interesse freilich nicht. Denn wenn das reformierte Gesetz am 01.01.2023 in Kraft tritt, kommen weitreichende Änderungen und neue Anforderungen auf Berufsbetreuer zu.

 

Die Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts zielt darauf ab, das Selbstbestimmungsrecht betroffener Person zu stärken. Gleichzeitig soll eine hohe Qualität der Betreuung sichergestellt werden. Um diese Ziele zu erreichen, wird zukünftig ein einheitliches Registrierungsverfahren für Berufsbetreuer implementiert. Rechtliche Betreuer müssen dazu nachweisen, dass sie fachliche und persönliche Mindeststandards erfüllen. Geregelt werden alle Details dazu im Betreuungsorganisationsgesetz (BtOG). Dieses ist Bestandteil des Gesetzes zur Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts ist.

Wichtig: Diese Registrierung ist für Berufsbetreuer konstitutiv. Das bedeutet: Nur als registrierter Betreuer haben Sie ab 2023 noch einen Anspruch auf Betreuervergütung. Deshalb weisen wir bereits heute darauf hin: Handeln Sie rechtzeitig, um sich Ihre Vergütungsansprüche zu sichern!

Welche Voraussetzungen Berufsbetreuer erfüllen müssen, um sich registrieren zu lassen

Damit Sie auch ab dem 01.01.2023 Ihrer Tätigkeit als Berufsbetreuer nachgehen können, müssen Sie sich bei Ihrer örtlich zuständigen Betreuungsbehörde – der sogenannten „Stammbehörde“ – registrieren lassen. 

Möglich ist diese Registrierung jedoch nur, wenn Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen müssen Sie Ihre persönliche Eignung und Zuverlässigkeit darlegen. Zum anderen müssen Sie durch Vorlage entsprechender Dokumente eine ausreichende Sachkunde für die Tätigkeit als berufsmäßig tätiger Betreuer nachweisen. Auch der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 250.000 € für jeden Versicherungsfall ist verbindlich.

Sind Sie als Betreuer bei der Stammbehörde registriert, muss die Berufsmäßigkeit im Bestellungsbeschluss nicht mehr festgestellt werden; ebenso sind auch keine zehn Betreuungen mehr notwendig. Eine erneute Überprüfung der Eignung wird voraussichtlich alle drei Jahre erfolgen.

Das beinhaltet der neue Sachkundenachweis im Detail

Die erforderliche Sachkundenachweis muss – nach heutigem Kenntnisstand – folgende rechtlichen und sozialen Fachbereiche umfassen:

 

vertiefte Kenntnisse des Betreuungs- und Unterbringungsrechts, des dazugehörigen Verfahrensrechts sowie auf den Gebieten der Personen- und Vermögenssorge,

Kenntnisse des sozialrechtlichen Unterstützungssystems und

Kenntnisse der Kommunikation mit Personen mit Erkrankungen und Behinderungen und von Methoden zur Unterstützung bei der Entscheidungsfindung.

 

Zertifizierte Wissensvertiefung für Ihre Betreuungspraxis!

Zu allen relevanten Themenbereichen bietet Ihnen die BeckAkademie Fernkurse bereits heute hochwertige Fernlehrgänge und Wissensvertiefungen in Form von Live-Webinaren und Tagungen an.

Unsere Fernkurse sind von der

Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) geprüft und zugelassen.

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Es ist davon auszugehen, dass bei bestimmten absolvierten Ausbildungen, Studienabschlüssen und beruflichen Hintergründen – beispielsweise Studiengängen wie Jura oder Sozialpädagogik – eine Vermutung der Qualifikation vorliegt.

Weitere Einzelheiten müssen noch in einer Verordnung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz festgelegt werden. Das betrifft vor allem die Anforderungen an die Sachkunde und ihren Nachweis. Berücksichtigt werden dabei Kriterien wie Inhalte, Dauer, Aufbau, Prüfungsumfang einer etwaigen Ausbildung. Aber auch die Anerkennung und Zertifizierung privater Anbieter von Sachkunde-Lehrgängen muss noch geregelt werden.

 

Im 2. Regierungsentwurf heißt es konkret zu dieser Thematik

„Die Anforderungen an die Sachkunde im Einzelnen sollen in der nach Absatz 4 zu erlassenden Ausführungsverordnung geregelt werden. Eine Sachkundeprüfung durch die Stammbehörde oder eine andere Behörde ist nicht vorgesehen. Die Sachkunde soll künftig vom Antragsteller durch Unterlagen, insbesondere durch Zeugnisse über erfolgreich abgelegte Studien- und Ausbildungslehrgänge sowie andere geeignete Lehrgänge nachgewiesen werden. … Zur Vereinheitlichung und Vereinfachung dieser Prüfung sieht die Verordnungsermächtigung in Absatz 4 vor, Regelungen über die Anerkennung und Zertifizierung privater Anbieter zu schaffen.“

 

Auch Fachleute und Berufsverbände diskutieren – zum Teil auch kontrovers – darüber, wie die Sachkundeanforderung konkret ausgestaltet werden könnte. So schlägt etwa der Bundesverband freier Berufsbetreuer (BVfB e.V.) vor, „dass die Sachkunde durch eine ca. 6 Monate dauernde (ca. 200 Unterrichtsstunden), modular aufgebaute Ausbildung erworben und durch eine bestandene Prüfung nachgewiesen werden kann. Die Prüfung sollte mindestens zwei schriftliche Klausuren und ein Prüfungsgespräch beinhalten.“ Nach Ansicht des Bundesverbands der Berufsbetreuer/innen (BdB e.V.) ist es „nicht nachvollziehbar, warum für manche Bereiche vertieftes Wissen und für andere lediglich Grundkenntnisse erwartet werden“. Auch wurden nach Auffassung des BdB e.V. wichtige Schlüsselkompetenzen bisher nicht berücksichtigt.

 

Es bleibt nun abzuwarten, welche Vorschläge noch in die Verordnung aufgenommen werden – und wie diese final ausgestaltet sein wird.

 

Regelmäßige Fortbildung für Betreuungsprofis wird obligatorisch

 

Für sogenannte „Altbetreuer“ sieht das Betreuungsorganisationsgesetz Übergangsvorschriften vor. So wird für Betreuer, die bei Inkrafttreten des BtOG seit mindestens drei Jahren Betreuungen geführt haben, bei der Registrieren kein Sachkundenachweis erforderlich sein.

Festgeschrieben wird in jedem Fall eine Fortbildungspflicht für Berufsbetreuer. Zwar ist auch hier die Ausgestaltung im Einzelnen noch unklar. Es empfiehlt sich jedoch schon heute für erfahrene Betreuungsprofis, regelmäßig ihr Wissen aufzufrischen, um stets rechtsicher handeln zu können.

Unser kurzer Überblick des aktuellen Sachstandes zum Sachkundenachweis zeigt vor allem eines: Vieles noch unklar und nicht abschließend geregelt. Betreuungsexperte und Fachanwalt für Familienrecht Martin Weber empfiehlt deshalb allen Betreuungsprofis und angehenden Berufsbetreuern: „Bleiben Sie bei diesem Thema am Ball! In unseren Live-Webinaren und hier im Newsblog halten wir Sie zu allen aktuellen Entwicklungen der Betreuungsrechtsreform auf dem Laufenden.“

11. Oktober 2021 | Kategorie: Betreuungsrechtsreform 2023, Sachkundenachweis |